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Verbandslogo der SDAJ

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ist ein marxistisch-leninistisch orientierter Jugendverband und traditionell verbunden mit der Deutschen Kommunistischen Partei; des Weiteren steht der Verband der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) und der Assoziation Marxistischer Studierender nahe. Der Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2007 listet die SDAJ als Organisation im Umfeld der DKP unter der Rubrik „Linksextremistische Bestrebungen und Verdachtsfälle“ auf.[1]

Inhaltliches Profil Bearbeiten

Nach Aussage der SDAJ versucht die Organisation die Gesamtinteressen der arbeitenden und lernenden Jugend zu vertreten. Politischer Schwerpunkt sei die „Arbeiterjugendpolitik“, d. h. Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen zur Situation der Azubis in Deutschland. Dazu kämen verschiedene Themenfelder antikapitalistischer Politik, unter anderem antifaschistische und antimilitaristische Arbeit. Die Themen Ausländerintegration, Internationalismus, Bildungspolitik und Kürzungen in der Finanzierung der Jugendarbeit seien weitere Schwerpunkte.

Die SDAJ fordert eine Gesamtschule, eine Klassenstärke von maximal 20 Schülern sowie eine Abschaffung von Kopfnoten. Sie spricht sich auch für eine zukunftsorientierte, demokratische und solidarische Hochschulbildung aus. Sie ist gegen Studien- und Semestergebühren wie auch den Numerus clausus.

Gegenwärtige Organisationsstruktur Bearbeiten

Die Mitglieder sind meist im Alter zwischen 14 und 30 Jahren und bekennen sich zum Statut und zum Zukunftspapier der SDAJ, der programmatischen Grundlage.

Die SDAJ gliedert sich in Ortsgruppen, Kreisverbände und Landesverbände, wobei die SDAJ nicht in jedem Bundesland vertreten ist (Quelle: Verfassungsschutzbericht). Insbesondere in den neuen Bundesländern ist die SDAJ kaum aktiv.

Nach dem Bundeskongress der SDAJ in Hannover 2004 wurde die Leitung der SDAJ einem kollektiven Leitungsgremium übertragen. Seit Februar 2006 ist Michael Grüß Bundesvorsitzender.

Geschichte Bearbeiten

1968 bis 1977 Bearbeiten

Die SDAJ wurde am 5. Mai 1968, dem 150. Geburtstag von Karl Marx, von Jugendlichen und jungen Mitgliedern der verbotenen KPD gegründet.

Die SDAJ versuchte unter anderem, in den in Folge der Studentenbewegung 1968 entstandenen sozialen Bewegungen mitzuwirken. Auch eine große Anzahl von Lehrlingen war politisch aktiv geworden, um die Qualität ihrer Ausbildung und ihre Existenzbedingungen politisch zu verbessern. Die SDAJ nutzte diese „Lehrlingsbewegung“ und konnte Teile der Aktiven von ihrer Politik überzeugen und in die Verbandsarbeit einbinden. Seit der Gründung der DKP kooperiert die SDAJ mit dieser Partei, ohne ihre Eigenständigkeit als Jugendverband aufzugeben. Berührungspunkte hatte die SDAJ jedoch auch mit anderen Parteien, wie in den 1980ern mit den Grünen und später mit der PDS. Die SDAJ wurde zu einem der führenden linken Jugendverbände in Deutschland und war in der Öffentlichkeit in vielen Feldern politisch wahrnehmbar. Eigenen Angaben zufolge hatte sie zeitweise mehr als 35.000 Mitglieder. Verbandsorgan der SDAJ war das von ihren Mitgliedern verkaufte Magazin elan. Seit 1972 veranstaltet der Verband in jährlichem Wechsel zentrale und dezentrale Pfingstcamps.

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Aktion der SDAJ auf der Demonstration zum 1. Mai

1978 bis 1987 Bearbeiten

Die SDAJ veranstaltete von 1978 bis 1988 zusammen mit dem Marxistischen Studentenbund Spartakus (MSB) alle zwei Jahre jeweils Mitte Mai auf dem Gelände der Dortmunder Messe das Festival der Jugend. Dort traten zahlreiche, auch international bekannte, Künstler auf; beispielhaft sei das 1978er-Festival genannt mit Künstlern wie u. a. Jutta Weinhold, Snowball, Udo Lindenberg, Puhdys oder dem Titti-Winterstein-Quintett. Ebenso fanden politische Diskussionsveranstaltungen statt. Nach Angaben der SDAJ nahmen hieran mehrere 100.000 Besucher teil. 2008 veranstaltet die SDAJ in Köln das erste Mal seit 1988 erneut ein „Festival der Jugend“.

Vor der Auflösung der DDR bestanden enge Kontakte zwischen der SDAJ und der FDJ, die als Geschwisterorganisation betrachtet wurde. So hatte beispielsweise jeder Landesverband der SDAJ einen Freundschaftsbezirk in der DDR, in den regelmäßige Fahrten („Delegationen“) unternommen wurden, um das Leben in der DDR näher kennenzulernen. Außerdem wurde ein Teil der Öffentlichkeitsmaterialien und Infrastruktur über Gelder finanziert, die die DDR bereitstellte, damit die Jugendorganisation in der BRD arbeiten konnte.

1988 bis 1997 Bearbeiten

1988 wurden Konflikte innerhalb des Verbandes öffentlich deutlich, als innerhalb von DKP und SDAJ zunehmend reformkommunistische Positionen an Stärke gewannen. Das führte beim SDAJ-Bundeskongress 1989 zur Spaltung der Organisation, als sich die Mehrheit der Delegierten für einen Antrag aussprach, der den Verband als marxistische Arbeiterjugendorganisation bewahren wollte. Die unterlegene Strömung um die Bundesvorsitzende Birgit Radow verließ daraufhin den Kongress. Es gelang ihr jedoch nicht, neue bundesweite Strukturen aufzubauen. Viele ihrer ehemaligen Führungsmitglieder fanden eine neue Heimat in den Jugendstrukturen der PDS. Die Führung der SDAJ übernahm ein Bundesarbeitsausschuß um Patrik Köbele.

Mit der Wende in der DDR und der Wiedervereinigung spitzte sich die Krise in der SDAJ zu. Ebenso wie die DKP hatte sie einen rasanten Mitgliederschwund durch Austritte zu verzeichnen. Zeitungen und Ferienobjekte mussten aufgegeben, hauptamtliche Mitarbeiter entlassen werden. Bis ca. 1993 blieb die SDAJ faktisch „kopflos“, sodass die Bundeszentrale mit ständig wechselnder Besetzung bei der Auflösung von Kreisverbänden, Ortsgruppen und Bezirks-/Landesverbänden oftmals lediglich zuschauen konnte. 1994 begann die Neuorganisation und Reaktivierung von Kreis- und Ortsverbänden und der Wiederaufbau von Landesstrukturen, wobei jedoch zahlreiche Rückschläge nicht ausblieben.

Mit der POSITION kam bald wieder ein zentrales Theorie- und Debattenorgan des Verbandes heraus, das zugleich eine große finanzielle Herausforderung darstellt. Die Gewinnung neuer Abonnenten wurde bald zu einem zentralen Thema vieler SDAJ-Aktionen. Immerhin gelang es ab Ende der 1990er Jahre, viele Ortsgruppen zu stabilisieren und neue zu gründen, etwa in Leipzig, Dresden, Gera, Potsdam und Berlin, so dass sich im Verlauf dieser Jahre die Mitgliederzahlen konsolidieren konnten.

Zur heutigen FDJ bestehen nur noch beschränkte Kontakte, nachdem eine westdeutsche Organisation (Initiativen zur Vereinigung der revolutionären Jugend) die Kontrolle dieser Organisation übernommen hatte und die FDJ daraufhin einen dogmatischen Kurs festlegte, der u. a. die Forderung nach einer Wiederabspaltung der DDR verfolgt.

1998 bis heute Bearbeiten

2004 gelang es der langjährigen SDAJ-Aktivistin Johanna Scheringer-Wright auf der Liste der PDS in den Thüringer Landtag einzuziehen. Im selben Jahr errang der langjährige SDAJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Gehrcke ein Direktmandat für den Brandenburger Landtag. Für die Linkspartei zog 2005 das ehemalige SDAJ-Mitglied Gert Winkelmeier in den Bundestag ein.

Die Mitgliederentwicklung weist nach Angaben der SDAJ und von internen Quellen des Verfassungsschutz seit einigen Jahren wieder eine leicht steigende Tendenz auf. Die Mitgliederzahl wurde im Verfassungsschutzbericht 2007 bundesweit mit „rund 300“[2] angegeben. Besonders in der Arbeit an Schulen und in Lehrwerkstätten baut der Verband seine Strukturen aus. In letzter Zeit bemüht sich die SDAJ, nach eigenen Aussagen, wieder verstärkt um Bündnisse mit anderen Jugendverbänden.

Die SDAJ sieht sich heute wieder als wichtigen Stützpfeiler der Nachwuchspolitik der DKP und des VVN-BdA. Im Sommer 2005 nahm eine SDAJ-Delegation an den „16. Weltfestspielen der Jugend und Studierenden“ in Caracas (Venezuela) teil. Nach eigenen Angaben hatte die SDAJ Anfang 2006 etwa 600 Mitglieder.

Ende Februar 2010 geriet die SDAJ in die Schlagzeilen, weil dem syrischen Immigranten Aram A. aufgrund seiner Mitgliedschaft in der SDAJ die Einbürgerung verweigert wurde.[3]

Mitgliedschaften und Kooperationen Bearbeiten

Die SDAJ ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend, welcher 1945 gegründet wurde und als größte antiimperialistische Jugendorganisation der Welt gilt. Der WBDJ ist gleichzeitig Organisator der etwa alle vier Jahre stattfindenden Weltfestspiele. In Thüringen und Sachsen-Anhalt kooperiert die SDAJ mit ['solid] und dem sogenannten Roten Tisch, einer Sammlungsbewegung vom linken Rand der PDS bis hin zu unorganisierten Jugendlichen. In einigen weiteren Bundesländern, wie etwa in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg, bestehen Koordinierungstreffen zwischen ['solid] und Jugendstrukturen der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Auf Gruppen- und Landesebene arbeitet die SDAJ mit den jeweiligen regionalen politischen Organisationen und Gruppen zusammen, die im konkreten Aktionsbereich vergleichbare Standpunkte vertreten, z. B. in unterschiedlichen Gewerkschaftsjugendgruppen.

Verschiedene SDAJ-Gruppen bemühen sich um Mitgliedschaft in den jeweiligen Stadt- und Kreisjugendringen. In Hamburg ist die SDAJ assoziiertes Mitglied des Landesjugendrings.[4]

Eigene Medien Bearbeiten

Neben dem bundesweiten Magazin Position bestehen weitere Zeitungen und Aktionszeitungen der SDAJ-Gruppen in Großstädten und Regionen, so etwa die Basta! in Berlin, Likedeeler in Hamburg, DenkzettelL in Kiel, der Comandante in Marburg, die Your Voice - Your Choice in Düsseldorf oder die Venceremos in Thüringen. Mit steigender Mitgliederzahl im Süden Deutschlands wurde auch in Bayern eine JugendZeitung gegründet. Die Kontra! erscheint seit 2004 alle zwei Monate mit einer Auflage von ca. 5.000 Exemplaren und wird in 16 bayerischen Städten bzw. Gemeinden verteilt (Stand Januar 2007); diesem Vorbild folgend erscheint in Baden-Württemberg die Baschda. Als weiteren Teil der versuchten kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit gibt die SDAJ regelmäßige Themen-Zeitungen heraus, zum Beispiel Lehrlingsinfo, Schulanfangszeitung oder die Antimilitaristischen Informationen.

Schulhof-CD Bearbeiten

Ihre marxistisch-leninistische Ausrichtung unterstrich die SDAJ im Jahr 2007 mit Herausgabe und Vertrieb einer „roten Schulhof-CD“ „Gemeinsam gegen Rechts“, die Lieder der kommunistischen und der Arbeiterbewegung der 1930er- und kommunistischer Partisanen der 1940er-Jahre sowie der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der Jugendorganisation der DDR, und die Hymne der DDR enthält. Die Aktion war als Gegenkampagne zu der Verteilung von CDs mit rechtsextremistischen Liedgut gedacht.[2]

Siehe auch Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Verfassungsschutzbericht 2007, S. 160: http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/vsbericht_2007.pdf
  2. 2,0 2,1 Verfassungsschutzbericht 2007, S. 160: http://www.verfassungsschutz.de/de/publikationen/verfassungsschutzbericht/
  3. http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=in&dig=2010/02/25/a0133
  4. Mitgliederliste des Landesjugendrings Hamburg http://ljr-hh.de/data/wir/mitglieder.php

Weblinks Bearbeiten


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