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2010-05-11 Lothar Kannenberg

Lothar Kannenberg am Marktstand seines Camps auf dem Deutschen Präventionstag 2010 in Berlin

Lothar Kannenberg (* 5. März 1957 in Hanau) ist ein deutscher Boxer und autodidaktischer Erziehungsheimleiter.

Biographie Bearbeiten

Kannenberg wurde 1957 in Hanau als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Er besuchte die Volksschule und schloss diese 1973 ab. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Fleischergesellen und leistete seinen Wehrdienst ab. Nach einer sechsmonatigen Alkoholtherapie (als Teilnehmer) heiratete er 1983. 1986 begann Kannenberg seine Boxkarriere und boxte für den CSC Frankfurt in der 1. Bundesliga; 1990 wurde er Hessenmeister (Amateure) im Schwergewicht.

Nach diesen Erfolgen wurde Kannenberg erneut drogenabhängig. Er arbeitete zeitweilig als Türsteher und durchlebte Aufenthalte in der Psychiatrie. Nach einer erfolgreichen Krebsoperation 1996 begann er eine Drogenentziehungstherapie und zog nach Kassel. Dort arbeitete er unausgebildet als Streetworker.

1999 gründete er das Bootcamp Boxcamp Philippinenhof Kassel, eine Einrichtung der stationären Erziehungshilfe. Im gleichen Jahr schloss er eine Box-Trainerausbildung der C-Lizenz ab, 2001 folgte die B-Lizenz. 2004 folgte die Gründung Durchboxen im Leben e.V. und der Jugendhilfeeinrichtung Trainingscamp Lothar Kannenberg.

Inzwischen gilt Kannenberg als Vorzeige-Praktiker, Ex-User und Self-Made-Man. Im Gegensatz zu den wenig gelittenen professionellen Sozialpädagogen erfährt der einfache Mann mit den schlichten Erziehungskonzepten respektvolle Ehrungen der Politik wie Bundesverdienstkreuz und Präventionspreis.

Trainingscamp Bearbeiten

Die gemeinnützige Jugendhilfeeinrichtung hat es sich zum Ziel gesetzt, drogenabhängige und/oder kriminelle Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren zu resozialisieren. Kannenberg entwickelte hierbei ein eigenes Erziehungskonzept für die Jugendhilfe. Die Jugendlichen haben in der Regel sechs Monate lang von 6-22 Uhr einen fest strukturierten Tagesablauf, welcher mit viel Sport, Verhaltenstraining, Arbeitsprojekten, Handwerk und Musik kombiniert wird. Die Anlage ist 3,5 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt und liegt an einem Waldrand. Das Trainingscamp besteht aus mehreren Blockhäusern und einem großen Außengelände. Das Konzept besteht darin, feste Strukturen und Regeln aufzubauen, sowie Aggressionen mit Sport und Arbeit zu bewältigen. Die Jugendlichen sollen Respekt vor ihren Mitbürgern lernen, deshalb tragen die Camp-Pädagogen auch den Namen „Respekttrainer“.

Die Rückfallquote beträgt laut Kannenbergs eigener Einschätzung (!) nur 20%, im normalen Jugendstrafvollzug liegt sie bei knapp 80%.[1][2] Das Konzept wird von diversen Politikern aller Parteien als sinnvoll, vorbildlich und äußerst erfolgreich beschrieben.[3] Zahlreiche Politiker aus dem In- und Ausland treffen sich mit Kannenberg, um sich über das Konzept zu informieren.[4]

Seit Juli 2008 wird das Trainingscamp Lothar Kannenberg in einem Forschungsprojekt durch das Institut für Sozialpädagogik und Soziologie der Lebensalter der Universität Kassel evaluiert. Die Evaluation wird durch den Trägerverein Durchboxen e.V. und dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit finanziert. Mithilfe der empirischen Sozialforschung soll das Konzept systematisch aufbereitet, seine Wirkungen ermittelt und seine Wirkungsmechanismen sichtbar gemacht werden.“[5] Im Dezember 2009 wurde durch die Forscher ein erster Zwischenbericht veröffentlicht.[6] Folgende Feststellungen/Tendenzen wurden dabei nach knapp zwei Jahren getroffen:

  • Die Rückfallquote der Jugendlichen, die das Trainingscamp bis zum Ende durchlaufen haben, liegt bei 59,1%. Die Quote ist damit, im Verhältnis zu anderen Angeboten der Erziehungshilfe und der Justiz, im erwartbaren Rahmen.[7]
  • Von diesen rückfällig gewordenen Jugendlichen erreichen sie, gemessen an der Schwere und Anzahl der Delikte, in der Tendenz nicht wieder das Niveau der Zeit vor dem Trainingscamp.[7]
  • Durch den Umzug des Camps in das Gut Kragenhof hat sich die Arbeit des Trainingscamps deutlich verändert und ist wohl effektiver geworden.[7] Studien mit normalen Untersuchungsphasen von 5-7 Jahren und Langzeitstudien liegen nicht vor.

Auszeichnungen Bearbeiten

  • 2000 - Paul-Dierichs-Preis
  • 2002 - Roland-Preis der Stadt Bremen
  • 2002 - Silberne Ehrennadel des Hessischen Boxverbandes
  • 2003 - Silberne Ehrennadel der Deutschen Amateur-Box-Jugend
  • 2005 - Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland[8]
  • 2009 - Kriminalpräventionspreis der Stüllenberg-Stiftung[9]

SchriftenBearbeiten

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Gökalp Babayigit: Wir holen nach, was sonst im Vorschulalter vermittelt wird. Süddeutsche Zeitung, 2. Januar 2008, abgerufen im 13. Mai 2010.
  2. Friederike Freiburg, Björn Hengst und Philipp Wittrock: Kniebeugen im Kinderknast. Spiegel online, 1. März 2008, abgerufen im .
  3. Christian Rath: Erziehungscamps sind sinnvoll. die tageszeitung, 1. März 2008, abgerufen im 13. Mai 2010.
  4. Gestalter des Monats: Lothar Kannenberg - Aus dem Sumpf heraus, zurück ins normale Leben. Waldeckische Landeszeitung, abgerufen im 13. Mai 2010.
  5. Konzept der Evaluation. Universität Kassel, Fachbereich Sozialwesen, abgerufen im 13. Mai 2010.
  6. Galuske, Michael; Böhle, Andreas: Am Anfang habe ich gedacht, ich will mich nicht verändern. Universität Kassel, Fachbereich Sozialwesen, abgerufen im 13. Mai 2010 (PDF).
  7. 7,0 7,1 7,2 Galuske, Michael; Böhle, Andreas: Am Anfang habe ich gedacht, ich will mich nicht verändern. Universität Kassel, Fachbereich Sozialwesen, S. 109-110, abgerufen im 13. Mai 2010 (PDF).
  8. Scan der Verleihungsurkunde. Abgerufen im 12. Mai 2010 (jpg).
  9. Kriminalpräventionspreis für Kannenberg. Arolser Zeitung, 30. Oktober 2009, abgerufen im 13. Mai 2010.


Kopie vom 16.02.2011, Quelle: Wikipedia, Artikel, Autoren in der Wikipedia
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