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KDStV Borusso-Saxonia

Wappen Zirkel
B-S-Wappen BSZIRKEL
Basisdaten
Hochschulort: Berlin
Hochschule/n: Berliner Hochschulen
Gründung: 24. Februar 1899
Gründungsort: Charlottenburg
Korporationsverband: CV seit 1899
Nummer im Verband: 26
Kürzel: B-S!
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Mütze: rote Mütze im Format kleiner Biedermeier
Art des Bundes: Männerbund
Religion / Konfession: katholisch
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: sincere et constanter
Mitglieder insgesamt: 190
Webseite: www.bosa.org

Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Borusso-Saxonia (KDStV Borusso-Saxonia) im CV zu Berlin ist eine 1899 gegründete nichtschlagende, katholische Studentenverbindung, die dem Cartellverband (CV) angehört.

Geschichte Bearbeiten

Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg Bearbeiten

Am 24. Februar 1899 wurde die Katholische Deutsche Studentenverbindung Borusso-Saxonia von sieben Studenten der Technischen Hochschule Charlottenburg, der heutigen Technischen Universität Berlin, gegründet. Die Gründer (Gründungssenior Josef Frerich, Rudolf Pabst, Wilhelm Fahlbusch, Bernhard Stürenberg, Hugo Wischnowski, Friedrich de Gehren und Gerhard Lewe) waren zuvor Mitglieder der KAV Suevia Berlin geworden, der bis dato einzigen Verbindung des farbentragenden Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) in Berlin. Mit der Erteilung des Promotionsrechts an die TH Charlottenburg erlaubten die Statuten des CV auch dort die Gründung einer Verbindung. Borusso-Saxonia wurde somit als Tochterverbindung der Suevia als erste farbentragende katholische Studentenverbindung an der TH gegründet.

Die erste Bewährungsprobe für die junge Verbindung folgte schon fünf Jahre nach der Gründung: Neben Jena war Berlin eines der Zentren des Akademischen Kulturkampfs. Im protestantischen Preußen versuchten eine Reihe von schlagenden, nicht konfessionell gebundenen Verbindungen, den katholischen Verbindungen ihre Existenzberechtigung abzusprechen.

Im Ersten Weltkrieg kam das Verbindungsleben weitgehend zum Erliegen, da 37 der 50 Urmitglieder Kriegsteilnehmer wurden; sieben von ihnen fielen.

Zwischen den Weltkriegen Bearbeiten

1924 feierte die Borusso-Saxonia ihr 25. Stiftungsfest und 1926 übernahm die Verbindung als Vorort unter dem Vorortspräsidenten Gerhard Seewald erstmals den Vorsitz des gesamten Cartellverbands. 1927 bezog sie ihr erstes eigenes Verbindungshaus an der Englischen Straße in unmittelbarer Nähe der TH.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 begann auch im universitären Bereich eine Phase der Gleichschaltung aller studentischen Vereinigungen. Durch eine Reihe von Erlassen der Regierung wie Einführung des Führerprinzips, Verpflichtung zum Wehrsport und Aufgabe des Katholizitätsprinzips verloren die konfessionellen Verbindungen viele ihrer eigentlich konstituierenden Wesensmerkmale.

Am 7. Juli 1934 fusionierte Borusso-Saxonia, zunächst befristet für zwei Jahre, mit ihrer Schwesterverbindung AV Hansea zur Borusso-Saxonia-Hansea. Der Zusammenschluss wurde allerdings nicht verlängert, sondern am 18. Februar 1936 wieder aufgelöst.

Nach der Auflösung des Cartellverbands im Oktober 1935 musste auch die Borusso-Saxonia am 29. Juni 1936 die Auflösung des aktiven Verbindungsbetriebs beschließen, der Altherrenverband bestand bis Juli 1938 weiter. Als letztes Glied der Verbindung wurde im März 1939 der Hausbauverein durch die Geheime Staatspolizei aufgelöst; das Verbindungshaus fiel an das Reichsstudentenwerk.


Im Zweiten Weltkrieg fanden zwölf Borusso-Saxonen den Tod im Kriegseinsatz.

Wiederbegründung und Nachkriegszeit Bearbeiten

Bald nach dem Krieg fanden sich viele Borusso-Saxonen im Rheinland und Ruhrgebiet sowie in Berlin wieder zusammen. Die Wurzeln des Wiedererstehens der Verbindung nach dem Zweiten Weltkrieg lagen in der Katholischen Studentengemeinde (KSG) der Technischen Universität. Verschiedene KSG-Studenten ließen sich für die Gründung einer aktiven CV-Verbindung in Berlin begeistern. Diese wurde zunächst von den Altherrenverbänden der Borusso-Saxonia und ihrer Mutterverbindung KAV Suevia getragen und führte per Beschluss vom 27. November 1948 den Namen KDStV Saxo-Suevia.

Bereits ein Dreivierteljahr später gingen beide Verbindungen wieder getrennte Wege, und am 4. August 1949 fand die Republikation der Borusso-Saxonia als aktive Verbindung in Berlin statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Berlin nicht das Potential, alle sechs während der Weimarer Republik dort ansässigen CV-Verbindungen zu rekonstituieren. Neben Suevia und Borusso-Saxonia gelang dies nur der KDStV Bavaria Berlin, die KDStV Makaria Berlin gründete eine neue Aktivitas in Aachen, die AV Hansea tat dasselbe in Köln. Die 1895 an der Landwirtschaftlichen Hochschule gegründete KDStV Germania Berlin (mit den Farben blau-gelb-rot) beschloss, ebenfalls keine eigene Aktivitas wieder zu begründen, sondern trat geschlossen der Altherrenschaft der Borusso-Saxonia bei. Das letzte Mitglied der Germania verstarb 2010, so dass damit die KDStV Germania endgültig erlosch.

Da das alte Verbindungshaus in der Englischen Straße durch einen Bombentreffer zerstört worden war und das Grundstück inzwischen durch die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin genutzt wurde, siedelte die Borusso-Saxonia in den 1950er Jahren in die Nähe der neu gegründeten Freien Universität Berlin (FU) um, wo man zunächst ein gemeinsames Haus mit Suevia in Dahlem bezog, bevor 1969 das neu gebaute eigene Verbindungshaus in der Lotzestraße im Ortsteil Lichterfelde bezogen werden konnte.

Zuvor hatte Borusso-Saxonia 1966 unter dem Vorortspräsidenten Hans-Ludwig Schmahl zum zweiten Mal den Vorsitz des Cartellverbands stellen können.

Von der 68er Zäsur bis heute Bearbeiten

Wenig später stand die Korporation im Zuge der Studentenbewegung der 68er durch zahlreiche Austritte und sinkende Neuaufnahmen vor existentiellen Problemen. In den frühen 1970er Jahren übernahmen oftmals Alte Herren die Ämter der Aktivitas und erhielten den Verbindungsbetrieb mit Notprogrammen mühsam aufrecht.

Erst gegen Ende der 1970er Jahre stiegen die Zahlen der Neuaufnahmen und die Verbindung konnte wieder einen regulären Aktivenbetrieb aufnehmen. Großen Anteil am Wiederaufleben der Verbindung hatte der Philistersenior Günter Schneider (1936–2008), der von 1977 bis 1998 dem Altherrenverband der Verbindung vorstand.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands stellte Borusso-Saxonia 1992/93 unter dem Vorortspräsidenten Andreas Kübler zum dritten Mal den Vorort und richtete 1993 die erste Cartellversammlung in Ostdeutschland seit dem eigenen Vorort 1926 aus. Kontroverse Diskussionen gab es dabei um die Frage der Aufnahme von Nicht-Katholiken in CV-Verbindungen, nachdem Andreas Kübler eine Debatte um die Zeitgemäßheit dieses Prinzips angeregt hatte.

Couleur, Wahlspruch und Wappen Bearbeiten

Couleur Bearbeiten

Die Verbindung trägt die Farben rot-weiß-schwarz. Die Fuxenfarben sind rot-weiß. Kopfcouleur ist eine rote Mütze im Format kleiner Biedermeier. Die Verbindungsfarben setzen sich aus den Farben Preußens Schwarz-Weiß und Niedersachsens (Haus Hannover) Weiß-Rot zusammen.

Wahlspruch Bearbeiten

Der Wahlspruch der Borusso-Saxonia ist sincere et constanter (aufrecht und beständig).

Wappen Bearbeiten

Das Wappen der Borusso-Saxonia besteht aus einem viergeteilten Wappenschild. Im oberen Teil finden sich links der preußische Adler und rechts das Sachsenross, wie sie sich auch im Stadtwappen Charlottenburgs finden. Der Bezug zu Niedersachsen/Hannover gründet sich auf die Herkunft der Namenspatronin Charlottenburgs, Sophie Charlotte von Hannover, der ersten Königin in Preußen. Im unteren Teil symbolisieren links drei weiße bzw. silberne Schilde auf rotem Grund die bildenden Künste Bildhauerei, Malerei und Baukunst die Gründung der Verbindung an einer Technischen Hochschule. Unten rechts steht ein weißer Turm auf schwarzem Grund für den CV („CV-Turm“), dessen drei Zinnen die drei ursprünglichen CV-Prinzipien Religio, Scientita und Amicitia symbolisieren.

Bekannte Mitglieder (Auswahl) Bearbeiten

  • Johannes Baron (* 1966), deutscher Verwaltungsbeamter. Ehem. Regierungspräsident des Regierungsbezirks Darmstadt in Hessen (2009–2014).[1]
  • Götz Briefs (1889–1974), römisch-katholischer Sozialtheoretiker, Sozialethiker, Sozialphilosoph und Nationalökonom.
  • Wilhelm Fahlbusch (1877–1962), deutscher Architekt, als Oberregierungs- und Baurat Leiter der preußischen Baupolizei im preußischen Wohlfahrtsministerium Berlin, Architekt mehrerer Kirchenbauten im Stil des Expressionismus in Berlin-Brandenburg.
  • Eduard Gehrmann (1888–1960), deutscher Ordenspriester der Steyler Missionare (SVD), Sekretär der Apostolischen Nuntien Eugenio Pacelli (später Papst Pius XII.) und Cesare Orsenigo. Ab Februar 1945 geschäftsführender Apostolischer Nuntius beim Deutschen Reich.
  • Josef Graw († 1986), deutscher Physiker, Gründer der Firma Dr. Graw Messgeräte, heute GRAW Radiosondes GmbH & Co. KG, Nürnberg.
  • Hermann Heukamp (1886–1966), parteiloser deutscher Politiker, Landesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der ersten nordrhein-westfälischen Landesregierung.
  • Heinrich Hirtsiefer (1866–1941), deutscher Sozialpolitiker, Mitglied der Deutschen Zentrumspartei, stellvertretender preußischer Ministerpräsident und Opfer des NS-Regimes.
  • Andreas Korbmacher (* 1960), Richter am Bundesverwaltungsgericht.
  • Günter Korbmacher (1926-2015), ehemaliger Vorsitzender Richter des Asylsenats am Bundesverwaltungsgericht.
  • Wolfgang Wilhelm Koschel (* 1938), deutscher Raumfahrtingenieur und ehem. Direktor des Instituts für Raumfahrtantriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
  • Ulrich Neumann (1903–1977), deutscher Ingenieur, Vorstandsvorsitzender der MAN 1954–1969.
  • Adolf Pirrung (1878–1965), deutscher Ingenieur und Elektrizitätswirtschaftler, ehem. Generaldirektor der Energie-Versorgung Schwaben und Ehrenbürger der Stadt Biberach an der Riß.
  • Karl Schmeing, Bürgermeister der Stadt Ochtrup 1976–1983.
  • Wolfgang Thüne (* 1943), deutscher Meteorologe.
  • Hermann-Joseph Wurm (1862–1941), deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Journalist.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • KDStV Borusso-Saxonia (Red. Christoph Herbort), KDStV Borusso-Saxonia 1899–1999: Festschrift, Berlin 1999 (im Eigenverlag erschienen).
  • Paul Thomas, Geschichte der K.D.St.V. Borusso-Saxonia Berlin 1899–1938, Berlin 2014 (im Eigenverlag herausgegeben durch Raphael Jünemann, Alexander Kropp und Marc Schüffner auf Basis des Manuskripts von 1962).
  • KDStV Borusso-Saxonia (Red. Peter Muschol), Der österreichische Ständestaat – Engelbert Dollfuß zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus. ein Beitrag zur Zeitgeschichte, Berlin 1984. (als Manuskript gedruckt).
  • Peter Stitz: Der CV 1919–1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Gesellschaft für CV-Geschichte, München 1970.
  • S. Schieweck-Mauk: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, Würzburg 1997, ISBN 3894980400.
  • Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e. V. (Hrsg.), CV-Handbuch, 3. Auflage, Regensburg, 2000, ISBN 3922485111.

Weblinks Bearbeiten

Quellenangaben Bearbeiten

  1. Innenminister Volker Bouffier anlässlich der Amtseinführung von Johannes Baron zum neuen RP "Ein echter Kommunaler"; Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 30. Juni 2009


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