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Horst Bormann 2013

Horst Bormann, 2013

Horst Bormann (* 28. Februar 1928 in Ruhland; † 28. Oktober 2015 ebenda) war ein deutscher Lehrer, Naturfotograf und Hobbyhistoriker. Unter seiner Leitung wurde der Ruhlander Schulgarten DDR-weit bekannt und ein Vorzeige-Objekt.

Leben und Wirken Bearbeiten

Bormanns Eltern lebten in Ruhland, der Vater war ein talentierter Bildhauer und wurde deshalb von der Schönburg-Waldenburgischen Herrschaft beauftragt (unter anderem prinzliches Grabmal, Kriegerdenkmal in Hermsdorf, Adler in Jannowitz). Horst Bormann besuchte das Gymnasium in Senftenberg, im Zweiten Weltkrieg war er Luftwaffenhelfer. Danach kartierte er im Land Brandenburg Pflanzen und fand dadurch zur Naturfotografie. 1947 absolvierte er eine Neulehrer-Ausbildung in Lindenau, wurde nach Bernsdorf versetzt und übernahm 1948 in Wiednitz eine 8. Klasse. 1949 heiratete er und zog 1951 mit seiner Frau Margot und nach Ruhland. 1952 spezialisierte er sich im Lehrerseminar / Pädagogischen Institut Mühlhausen auf das Fach Biologie, das er dann an der Geschwister-Scholl-Schule in Ruhland unterrichtete. 1958 holte ihn Heinz-Werner Baer, befreundet vom Gymnasium Senftenberg, für ein Jahr nach Berlin, wo er für den Verlag Volk und Wissen ein Biologielehrbuch für die 5. Klasse schrieb. 1966 wurde er Oberlehrer.

Als Pädagoge und Biologielehrer baute er den Fachbereich Biologie an der Geschwister-Scholl-Schule auf und bezog immer die Schüler dabei ein. Zusätzlich zum Unterricht leitete er Schüler-Arbeitsgemeinschaften (unter anderem Junge Botaniker[1] und Junge Imker). Noch 2017 wurden Präparate und Modelle, die er mit Schülern angefertigt hat, im Fachraum ausgestellt und zum Teil im Unterricht genutzt. Schüler erhielten auch und zum Teil besonders über die Ferien konkrete Aufgaben und erledigten diese eigenverantwortlich. Er leitete nicht nur die Arbeit, sondern vermittelte moralische und ethische Grundbegriffe wie Aufrichtigkeit und Verantwortung. Dabei zeigte er auch Organisationstalent – alles war geplant und wurde dann auch kontrolliert. Auch die Eltern der Schüler wurden mit einbezogen.[2]

Horst Bormann Ruhland, Hartwigstraße, Schulgarten, Alpinum 1965

Horst Bormann im Schulgarten

Als sein Lebenswerk betrachtete Horst Bormann den von ihm „aus dem Nichts geschaffenen“ Schulgarten an der Hartwigstraße. „Dieses Ensemble mit den wichtigsten heimischen Pflanzenarten, einem Terrarium, der großen Vogelvoliere sowie dem Bienenhaus war so interessant, dass selbst das DDR-Fernsehen dort eine Woche lang filmte”, erinnerte er sich im Ruhestand nach der politischen Wende. Er hätte im Sommer mehrere Wochen in den Urlaub fahren können und bei der Rückkehr kein Unkrauthälmchen vorgefunden. “Die Schüler haben richtig für ihren Garten gebrannt”, sagte er. Das ließ erst nach, als er sich infolge gesundheitlicher Probleme ab den 1980er-Jahren nicht mehr so um sein Lieblingsprojekt kümmern konnte.[3] DDR-weit bekannt wurden der Schulgarten und damit auch Bormann 1956 durch einen Artikel in der Tageszeitung „Neues Deutschland“. Das Fernsehen der DDR brachte 1957 den ersten Bericht, der Schulgarten wurde zum Musterschulgarten im Kreis Senftenberg erklärt, Vorzeigeobjekt im Bezirk Cottbus und DDR-weit Konsultationsgarten.[4]

Bormann wirkte auch als Landschaftsgärtner. Davon berichteten DDR-Fachzeitschriften[5], in Ruhland pflegten Schüler von 1966 bis 1978 unter seiner Leitung die Anlagen am Geschwister-Scholl-Weg.[6]

Er erkannte eine Lücke in den heimatgeschichtlichen Arbeiten von Reinhold Schneider, Erich Vettrich, Horst Socher und Steffen Ziegert. Im Ruhestand arbeitete er Unterlagen im städtischen Archiv auf, insbesondere die regionale Zeitung „Elster-Chronik“. Daraus resultierte eine heimatgeschichtliche Reihe im Amtsblatt der Stadt (später des Amtes) Ruhland unter dem Titel „Die Elster-Chronik weiss es noch (Ruhland vor 100 Jahren)“. Wie bei seiner schulischen Arbeit erkennt man einen Plan, eine mitreißende Idee, das Wecken des Interesses beim Leser und die systematische und gründliche Arbeit. Von Januar 1992[7] bis Juni 1998[8] erschienen 26 Beiträge.

Die Naturfotografie setzte Bormann noch in seinem Ruhestand fort. Seine Vorträge mit zusammengestellten Fotos in Kombination mit heimatkundlichen Recherchen und naturkundlichen Themen waren beliebt und stets gut besucht.[9][10]

Veröffentlichungen (Auswahl) Bearbeiten

  • Artikel über die Schulgartenarbeit in „Neues Deutschland“ August 1956[11]
  • Artikel „Zur Schulgartenarbeit in unserer zehnklassigen polytechnischen Oberschule“ in „Biologie in der Schule“, 8. Jg., 1959, Heft 9, S. 394–402
  • Artikel „Einst Wildnis, heute Paradies“ in „Elternhaus und Schule“, 16. Jg. 1967, Heft 9, S. 12–13
  • Artikel in „Werkunterricht“, Verlag Volk und Wissen, 1. Jg. 1957, Heft 1[12]
  • Berichte über Versuche mit verschiedenen Nutzpflanzen und Gehölzen (u. a. Pappelsorten) an die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften und das Institut für Forstwissenschaften der DDR, 11. Oktober 1957
  • Artikelserie „Die Elster-Chronik weiss es noch (Ruhland vor 100 Jahren)“; eine Spätlese aus der „Elster-Chronik“ von Horst Bormann im Amtsblatt Ruhland, Ausgabe 1/1992, S. 5[7] bis 6/1998, S. 21[8]; insgesamt erschienen 26 Beiträge

Quellen Bearbeiten

  • Befragung der verwitweten Ehefrau Margot Bormann am 25. November 2017 durch Wilhelm Zimmerling

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Horst Bormann: „Junge Botaniker“ – Arbeitsgemeinschaft an der Geschwister-Scholl-Schule Ruhland, Tagebuch 1953–1956
  2. Befragung des ehemaligen Schuldirektors Gisbert Büttner am 18. November 2017 durch Wilhelm Zimmerling
  3. Torsten Richter-Zippack (trt1): Schulgärtner, Lehrer, Heimatfotograf. In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 26. Januar 2015, abgerufen am 17. November 2017
  4. Schriftverkehr (Schul-Archiv-Akte „Schulgarten der POS Ruhland“) 15. Februar 1957, Mitteilung des staatlichen Rundfunkkomitees der DDR, Deutscher Fernsehfunk
  5. Schriftverkehr (Schul-Archiv-Akte „Schulgarten der POS Ruhland“) 27. September 1956, Auftrag des Verlages Volk und Wissen der DDR
  6. eigene mündliche Recherche des Parkaktivvorsitzenden – in parkaktiv-interen Aufzeichnungen, später übertragen auf Homepage und in Pflegekonzeption: deren Überarbeitung 1996/97 enthielt die Angaben, ist nach Aussage des Bürgermeisters im Amtsarchiv verschollen
  7. 7,0 7,1 Horst Bormann: Ruhland vor 100 Jahren; eine monatliche Spätlese aus der „Elster-Chronik“ in Fortsetzungen von Horst Bormann in Amtsblatt Ruhland, Ausgabe 1/1992, S. 5
  8. 8,0 8,1 Horst Bormann: Ruhland vor 115 – 95 – 90 – 75 Jahren; eine Spätlese aus der „Elster-Chronik“ (26.Folge) von Horst Bormann in Amtsblatt Ruhland, Ausgabe 6/1998, S. 21
  9. Jana Wieduwilt: Ich will doch nicht einrosten. In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 12. September 2005, abgerufen am 17. November 2017
  10. Hubert Pfennig: Mit der Kamera auf Streifzug durch die Natur. In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 28. Februar 2008, abgerufen am 26. November 2017
  11. Schriftverkehr (Schul-Archiv-Akte „Schulgarten der POS Ruhland“) 17. August 1956, Mitteilung der Poststelle des Zentralkomitees der SED
  12. Schriftverkehr (Schul-Archiv-Akte „Schulgarten der POS Ruhland“) 27. September 1956, Artikel-Anforderung durch den Verlag Volk und Wissen


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