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Bundesarchiv Bild 183-1988-0704-410, Heinz Keßler

Heinz Keßler (1988)

Bundesarchiv Bild 183-2008-0118-503, Heinz Keßler bei NVA-Truppenbesuch

Heinz Keßler beim Truppenbesuch 1968

Heinz Keßler (* 26. Januar 1920 in Lauban, Schlesien) war Armeegeneral in der NVA, Minister für Nationale Verteidigung im Ministerrat und Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Er gehörte dem SED-Zentralkomitee, dem Politbüro und dem Nationalen Verteidigungsrat der DDR an.

Leben Bearbeiten

Keßler wuchs in Chemnitz auf, besuchte die Volksschule und war Mitglied des Jungspartakusbundes [1]. Seine Eltern waren Kommunisten. Unter den Nationalsozialisten kam sein Vater ins Konzentrationslager, die Mutter ins Gefängnis. Nach einer Lehre zum Maschinenschlosser 1934-1938 und anschließender Arbeit in diesem Beruf diente er ab 1940 im Zweiten Weltkrieg als Soldat einer sächsischen Infanteriedivision in der Wehrmacht. Drei Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion lief er am 15. Juli 1941 zur Roten Armee über.[2] Wenig später führte er eine Kampfgruppe deutscher Kommunisten im Raum Smolensk hinter die deutschen Linien. Es folgten Ausbildung an der Moskauer Antifa-Schule und Mitbegründung des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD). Gemeinsam mit den übrigen Mitgründern des Nationalkomitees "Freies Deutschland" (NKFD) unterschrieb auch Keßler das Manifest vom 12. Juli 1943. Dort engagierte er sich als einer der wichtigsten Jugendfunktionäre im NKFD und auch als Frontbeauftragter an der Brjansker Front.[3] In dieser Funktion rief er deutsche Soldaten zum Überlaufen auf.

Im Frühjahr 1945 kehrte er als Unterleutnant der Roten Armee ins eroberte Berlin zurück. 1945 war Keßler Mitglied des Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses und 1946 eines der Gründungsmitglieder der Freien Deutschen Jugend. Er trat der KPD bei, die sich 1946 mit der SPD zur SED vereinigte. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED. Es folgte eine FDJ-Karriere von 1947 - 1950, und mehrmonatige Agitationsarbeit auch in der Bundesrepublik („Ich habe versucht, die Jugendverbände zu agitieren und dafür zu gewinnen, mit uns gegen die Pariser Verträge aufzutreten“).

Keßler wurde 1950 Chefinspektor der Volkspolizei, 1952 Generalmajor und Chef der Luftwaffeneinheiten der Kasernierten Volkspolizei. 1955/56 studierte er an der Akademie der sowjetischen Luftstreitkräfte. Er war von 1956 bis 1967 Chef der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA und Stellvertreter des Verteidigungsministers, anschließend wurde er Chef des Hauptstabes der NVA (entspricht Generalstab). Von 1979 bis 1985 leitete er die Politische Hauptverwaltung und übernahm am 3. Dezember 1985 das Amt des verstorbenen Heinz Hoffmann als Armeegeneral und Verteidigungsminister. 1986 wurde er Mitglied des Politbüros des ZK der SED.

1990 wurde Keßler aus der in PDS umbenannten SED ausgeschlossen. Wie die restliche Staatsführung der DDR bestritt Keßler stets den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze. So sagte er etwa in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit vom 30. September 1988: „Es hat nie - nie! - einen Schießbefehl gegeben. Den gibt es auch jetzt nicht, das bitte ich mir so abzunehmen (…)“. Nach dem Fall der Berliner Mauer musste er sich zusammen mit ehemaligen Parteiführern und den anderen Mitgliedern des Nationalen Verteidigungsrates der DDR wegen des Befehls vor Gericht verantworten. Am 16. September 1993 wurde er zu einer siebeneinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und im Frühjahr 1998 aus der JVA Berlin-Hakenfelde entlassen.

2009 trat er der DKP bei. [4]

Keßler lebt zusammen mit seiner Frau Ruth im Berliner Bezirk Lichtenberg.

Ehrungen Bearbeiten

Keßler erhielt im Laufe seiner Karriere eine Reihe von Orden und staatlichen Auszeichnungen der DDR, der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten, darunter den Vaterländischen Verdienstorden in Gold (1965), den Scharnhorst-Orden (1969), den Orden der Oktoberrevolution (1976) und den Karl-Marx-Orden (1979).

Veröffentlichungen Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Heinz Keßler im Wiki des Drafd e.V. und auch Gottfried Hamacher u.a.:Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland«, Kurzbiografien
  2. Helmut Müller-Enbergs, Bernd-Rainer Barth: Keßler, Heinz. In: Wer war wer in der DDR? 4. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-86153-364-2, Band 1.
  3. Hans Ehlert und Armin Wagner: Die Militärelite der DDR in lebensgeschichtlicher Perspektive, S. 7. In: Hans Ehlert und Armin Wagner (Herausgeber): „Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen“. Ch. Links, Berlin 2003. ISBN 3-86153-312-X.
  4. Heinz Kessler in die DKP Berlin aufgenommen

Literatur Bearbeiten

  • Hans Ehlert und Armin Wagner (Herausgeber): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Ch. Links, Berlin 2003. ISBN 3-86153-312-X.
  • Helmut Müller-Enbergs, Bernd-Rainer Barth: Keßler, Heinz. In: Wer war wer in der DDR? 4. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-86153-364-2, Band 1.
  • Freundeskreis Heinz Keßler (Herausgeber): Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufgeben. Festschrift für Heinz Keßler zum 90. Geburtstag. Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2010. ISBN 978-3-939828-39-6

Weblinks Bearbeiten

Fairytale kdmconfig Profil: Keßler, Heinz
Beruf deutscher Politiker (SED), Minister für Nationale Verteidigung
Persönliche Daten
Geburtsdatum 26. Januar 1920
Geburtsort Lauban


en:Heinz Kessler ja:ハインツ・ケスラー nl:Heinz Keßler no:Heinz Keßler pl:Heinz Keßler ru:Кесслер, Хайнц sv:Heinz Kessler

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